Regen ohne Ende und eine Planänderung – Tag 18 & 19


Regen ohne Ende und eine Planänderung
- von Tina

Regen ohne Ende und eine Planänderung - mobil

Wandern auf dem Charming Creek Track

So sehr wir hofften, am nächsten Tag mit strahlendem Sonnenschein aufzuwachen, so traurig waren wir, als dieser Wunsch sich leider nicht erfüllte. Denn wir hatten den Wecker extra früh gestellt, um auf unserem ersten Vorhaben des Tages wunderschönes Morgenlicht einzufangen. Es stand eine Wanderung auf dem Charming Creek Track auf dem Plan. Ursprünglich wurde um den Charming Creek Kohle abgebaut, auch Gold wurde in den Gesteinen vermutet, jedoch nicht gefunden. Die abgebaute Kohle wurde wie in Wild-West-Filmen in Loren auf Gleisen transportiert.

Charming Creek Wanderung

Entlang dieser alten Gleise befindet nun ein wunderschöner Wanderweg. Er führt durch die Schlucht des Charming Creek, durch alte Tunnel und vorbei an Wasserfällen. Er führt bis zum verlassenen Örtchen Seddonville, bis dorthin braucht man ca. drei Stunden. Da unser Auto natürlich am Parkplatz am Anfang des Weges stand, haben wir nicht die ganze Tour gemacht, sondern sind nur zum beeindruckenden …-Wasserfall gelaufen und dann umgekehrt.

Aber auch diese etwas verkürzte Version des Weges lohnt sich absolut. Durch das schlechte Wetter waren wir komplett allein auf dem Wanderweg und hatten so alle Zeit der Welt für Fotos und Drohnenaufnahmen. Leider sind die meisten meiner Fotos nichts geworden, weil ich immer Regen auf dem Objektiv hatte. Aber Martins Video fängt wunderbar die Stimmung entlang des Weges ein.

Mangatini Falls am Charming Creek
Spaß auf den alten Gleisen am Charming Creek
Fotoshoot im Regen
Alter Tunnel am Charming Creek

Seehunde im Nebel

Nach der Rückkehr zu unserem Camper machten wir uns auf Richtung Süden, immer entlang der Westküste. Der Plan war, mit einem Zwischenstopp bis zum Franz-Josef-Gletscher zu kommen. In der Hoffnung auf besseres Wetter planten wir dort entweder eine Wanderung oder einen Helikopter-Flug zum schneebedeckten Gipfel des Gletschers oder einer der umliegenden Berge.

Die Westküsten-Region der Südinsel Neuseelands ist touristisch sehr gut erschlossen und dokumentiert. So hatten wir aus einer I-Site eine Broschüre über die Westcoast mitgenommen und konnten immer anhand daran entscheiden, ob sich irgendwo ein Stopp lohnt. Auf unserem Weg nach unten lag die sogenannte Seal-Colony, eine residente Gruppe von Seehunden auf einem Felsen.

In Südafrika waren wir mit Seehunden schnorcheln und mögen diese sozialen Tiere seither sehr. Schnell stand also der Zwischenstopp an der Seal-Colony fest. Zusätzlich zum Regen hat sich jetzt aber noch ein fieser Nebel gesellt, sodass die Seehunde vom ca. 30 Meter entfernten Aussichtspunkt kaum noch zu erspähen waren. Nur dank Fernglas und Telezoom-Objektiv konnte man einen oberflächlichen Eindruck der Tiere gewinnen, aber wenigstens etwas.

Seal Colony New Zealand

Stopp an den Pancake Rocks

Pancake Rocks Westcoast

Nach nicht allzu langer Zeit saßen wir also wieder im Van, weiter Richtung Süden. Auf unserem Weg zum Zwischenstopp in Greymouth lagen noch die berühmten Pancake Rocks. Die bizarren Gesteinsformationen sind über einen gut ausgebauten Boardwalk in nur wenigen Minuten gut zu erreichen. Leider hat auch hier das Wetter nicht so richtig mitgespielt, aber zumindest hat der Regen eine kurze Pause eingelegt.

Nicht zum ersten Mal stellten wir fest, dass je einfacher eine Sehenswürdigkeit ins Neuseeland zu erreichen ist, um so voller sie ist. Der Boardwalk an den Pancake Rocks liegt förmlich direkt an der Hauptverkehrsstraße der Region und dementsprechend war es ziemlich voll. Wir haben daher wirklich nur kurz Fotos gemacht, uns an einem Kaffee gewärmt und sind dann direkt weiter.

Direkt an den Pancake Rocks ist übrigens auch ein anscheinend ziemlich berühmtes Blow-Hole. Ein Blow-Hole ist eine bestimmte Felsformation, durch welche Meereswasser beim richtigen Gezeitenstand und dem richtigen Wellengang geysirartig nach oben gedrückt wird und dort herausschießt. Als wir dort waren, haben die Gezeiten leider nicht gestimmt, sodass wir dieses Spektakel nicht bewundern konnten.

Der Regen setzt sich fest - ein Plan muss her

Nach der Weiterfahrt im Regen kamen wir dann schließlich an unserem Camping-Platz an. Der Platz war an sich okay, aber wir wussten zum Zeitpunkt unserer Ankunft noch nicht, dass der Ort Greymouth am Grey River im Grey District seinen Namen alle Ehre machen würde. Am Abend merkten wir langsam, dass die Hoffnung auf baldige Wetterbesserung ziemlich vergebens war. 

Es hat sich so richtig schön eingeregnet und so langsam fuhr die Feuchtigkeit über Bettwäsche, Handtücher und dergleichen in die Knochen. Als ich nachts aufwachte und immer noch den starken Regen auf unseren Camper prasseln hörte, begriff ich langsam, dass wir am Franz-Josef-Gletscher und den umliegenden Bergen wohl nicht auf besseres Wetter innerhalb der nächsten Tage zu hoffen brauchten. 

Ein Plan musste also her, irgendwo auf der Südinsel musste doch die Sonne scheinen! So rief ich dann nachts um vier Uhr Wetterkarten, Straßenkarten und Sehenswürdigkeiten in Neuseeland auf dem Handy auf und entwickelte eine Idee. Morgens sprachen wir dann gemeinsam ab, dass es besser wäre, zunächst einmal für eine Nacht nach Christchurch zu fahren und von dort aus über die Mitte der Südinsel wieder Richtung Westen vorzustoßen. Wenn alles nach Plan laufen würde, würden wir in spätestens zwei Tagen endlich wieder die Sonne sehen.

Über den Arthur’s Pass nach Christchurch

Gesagt, getan, auf ging es nach Christchurch. Nicht aber ohne vorher über den Arthur’s Pass zu fahren - eine der anspruchsvollsten Fahrten auf der Südinsel, besonders bei Starkregen und nasser Fahrbahn. Die Aussicht war daher der Wetterlage geschuldet eher mies, aber ab und zu hat man doch ein paar tolle Eindrücke von der kargen Landschaft gewinnen können.

Wie oft auf neuseeländischen Straßen gingen links und rechts der Hauptstraße zahlreiche Tracks und Wanderwege ab. Unter anderen Umständen hätten wir einen oder zwei davon sicher gern auf der Fahrt erkundet. Leider ist dies allgemein auf unserem Trip ziemlich kurz gekommen. Durch die wetterbedingten Planänderungen war unsere Zeit insgesamt ziemlich knapp, sodass wir auf viele spontane Erkundungen verzichten mussten.

Kurz vor Christchurch übernahm ich dann das Steuer, nachdem Martin den ganzen anstrengenden Teil übernommen hatte. Am Ortseingangsschild mussten wir ein bisschen schmunzeln, denn es stand inmitten einer Schafweide in der Pampa. So hatten wir uns Christchurch nicht vorgestellt.

Arthur's Pass Neuseeland Südinsel

Der beste Burger der Welt 

Bald aber erreichten wir das Stadtzentrum, was dann doch ein wenig urbaner wirkte. Nach dem Einchecken im Hotel ließen wir uns vom nasskalten Wetter nicht abhalten, die Stadt ein wenig zu erkunden. Leider müssen wir sagen, dass sie auf uns absolut keinen Charme ausgeübt hat. Das tut uns auch ehrlich leid, denn natürlich ist uns bewusst, dass das Antlitz der Stadt unter den großen Erdbeben in 2010 und 2011 gelitten hat. 

Trotzdem wirkte sie auf uns irgendwie trostlos und… gebrochen. Viele Gebäude wirkten baufällig bzw. nicht wieder aufgebaut. Die Neubauten sind kalt, mit viel Metall, Beton und Glas. Umso mehr freuten wir uns über kleine Hipster-Orte, die einen aufstrebenden Enthusiasmus versprühten. So ein Ort war zum Beispiel die Little High Eatery.

Bacon Bros Christchurch

Die Little High Eatery in Christchurch (Tripadvisor)* ist eine Art Foodcourt mit acht verschiedenen Restaurants. Es herrscht eine Art Marktplatzatmosphäre, die Restaurants gleichen eher kleinen Garküchen. Es gibt ausreichende Tische und Sitzplätze und man kann überall sein Essen von einem der Restaurants verzehren. Und es sollte eigentlich für jeden Geschmack etwas dabei sein. Von Pizza, über Sushi und Dim Sum, bis hin zu karibischer Küche und Burgern ist alles zu haben. 

Und lasst euch uns sagen: Oh wow, die Burger!!! Falls ihr in Christchurch seid, geht unbedingt zu Bacon Bros! Die Burger dort sind ein absolutes Gedicht! Und das sagt nicht nur Martin als Fleischesser! 

Auch ich hatte den besten Burger, den ich je gegessen habe - und er war absolut vegan (nunja, nicht absolut, es war ein Ei drauf. Das kann man aber abbestellen). Es gibt ungefähr fünfzehn verschiede Burger und zwei vegetarische/vegane. Da sollte wirklich für jeden etwas dabei sein.

Leider brachten wir nach dem opulenten Essen nicht die Energie auf, weiter dem Regen zu trotzen. Also sind wir völlig durchnässt und durchgefroren zurück ins Hotel und haben uns zum Einschlafen den neuen Star Wars angeschaut. Am nächsten Tag sollte es schließlich nach ein wenig Arbeit weitergehen. Weiter auf der Suche nach der Sonne.

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Tina

Reisefan, Möchtegern-Travelhacker und seit neun Jahren Expat in verschiedenen asiatischen Ländern. Ein dauerhaftes Leben in Deutschland kann ich mir momentan gar nicht mehr vorstellen, aber es wäre gelogen, zu sagen, dass mir Döner und Currywurst nicht fehlen. Der große Schritt, die Festanstellung hinter mir zu lassen und mich vollends ins digitale Nomadentum zu stürzen, steht mir noch bevor, daher freue ich mich, gemeinsam mit unseren Lesern neue Möglichkeiten zu entdecken.

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